Vorwort an alle Leser

Unbehagen in der Kultur? Nein, viel schlimmer: Unbehagen im banalen Alltag ist es, was die modernen Arbeitsgesellschaften bestimmt.

Überproduktion, Überkonsum, Übermobilität, Überertüchtigung – der moderne Mensch weiß nur zu gut, was sein alltägliches Tun anrichtet. Aber hat er noch Einfluß darauf: Shoppen? Wozu sonst die Produktion! Autofahren? Mobil hat der moderne Mensch zu sein! Und dann noch Joggen? Macht ein Mensch das wirklich aus freien Stücken?

Schrecklich sind die Zustände in der modernen Gesellschaft. Aber ist deshalb die Moderne gescheitert? Nein! Frei zu sein, mündig zu handeln und darauf zu wirken, daß es gerecht zugeht – diese Ansprüche an ein modernes Leben sind nach wie vor richtig. Und sie sind nicht mehr aus der Welt zu kriegen. Einmal von ihrer Richtigkeit überzeugt, einmal ein moderner Mensch geworden, gibt es kein Zurück: Etwas besseres als die Moderne findet dieser Mensch nicht mehr.

Doch was ist das Übel, das moderne Menschen dazu bringt, einer Lebensweise zu folgen, die ihren doch so richtigen Absichten zuwider läuft? Dieses Übel ist die Arbeit. Genauer: das Ideal von der industriell-produktiven Arbeitsleistung, die von den Parolen der Effektivität und des Nutzens begleitet wird. Sie ist in der modernen Gesellschaft zum unmenschlichen Maßstab allen menschlichen Tuns und Trachtens geworden.

Aber es gibt auch das Heilmittel: Es ist die Faulheit. Faulheit ist modern, denn frei ist der Faule, mündig der, der faul sein darf, und nur im Faulsein geht es gerecht zu. Faulheit ist der Teil des Menschenganzen, den die Moderne sträflich vernachlässigt hat. Dabei ist die eigentliche Lebensweise der Moderne das Faulsein, denn nur in einer modernen Gesellschaft läßt sich das faule Leben leidlich bequem einrichten.

Was also ist tun? Nichts. Jedenfalls nichts Unmögliches. Faulheit muß die ihr zustehende gesellschaftliche Anerkennung bekommen. Daraus wird eine moderne Lebenweise erwachsen, die dauerhaft tragbar ist für den Menschen und seinen Planeten: Nur faul kann die Moderne gelingen.

Diese Moderne beruht auf der Magie von drei wunderbaren Erfindungen: dem Zufall, der Perspektive und vor allem auf mir, dem autonomen Ich. Es gilt zu untersuchen, wie und warum ausgerechnet der Faktor menschlicher Arbeit diese magischen Kräfte zu einer hemmungslosen Entfesselung der Produktivkräfte mißbrauchen konnte.

Also ist doch etwas tun? Ja, und es wird getan auf dieser Website: die Faulheit bekommt eine theoretische Grundlage und die gewichtige Funktion, die sie in einer gelungene Moderne hat, wird erstmals schlüssig beschrieben.

Ein Manifest bekräftigt das Ziel, die Faulheit in den modernen Gesellschaften endlich zu institutionalisieren. Ob Faulheit das Unbehagen aus dem Alltag der Moderne vertreiben wird, kann sich erst nach getaner Arbeit erweisen. Zuvor muß sie eine andere, eine politische Rolle einnehmen: Faulheit wird das Mittel sein, eine langfristig lebbare Form der Moderne zu schaffen. Ob dies schließlich gelingt? Das hängt dann einzig und allein noch davon ab, wie sehr wir in der Lage sind, modern und gleichsam faul zu sein.

Diese Website will ihren Beitrag dazu leisten. Sie wird eine erste, umfassende Betrachtung zur modernen Faulheit liefern. Und sie will Mut machen: Denn auf moderne Weise faul zu sein ist gar nicht so schwer!

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